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Titel
„Führung muss man lernen“Iris Hofnagel ist Geschäftsführerin beim Baustoffhändler Hofnagel & Bade Baustoffe und Transporte GmbH in Hagen – einem Familienunternehmen mit dreiköpfiger Geschäftsleitung.
Teaser

Von der Revoluzzerin zur Macherin – Iris Hofnagel profitiert bis heute von der Freiheit, die sie als junge Frau genießen durfte. Und trennt ganz streng Berufliches und Privates.

Praxisbeispiel

Ausgangspunkt

Iris Hofnagel ist früh klar, dass sie Chefin wird in der Firma und in Hagen bleiben möchte. Ihrer „Sturm- und Drangphase“ begegnen ihre Eltern mit Nachsicht und Zutrauen und legen damit die Grundlage für ihre Entwicklung: „Meine Eltern haben mir Vertrauen gegeben, ohne wirklich zu wissen, was ich mache. Die haben mir so ein Grundvertrauen geschenkt, so, jaja, die macht das schon.“ Nach dem Abitur studiert sie zunächst BWL in Dortmund und wechselt dann nach Essen, wo sie ein duales Studium mit kaufmännischer Ausbildung macht. Als der Bruder, der die Firma übernehmen soll, einen anderen Weg einschlägt, ist klar, dass sie aus der Familie allein nachrücken wird. Zunächst geht sie aber noch einmal ins Ausland und studiert anschließend Wirtschaftsrecht.

Ihre Diplomarbeit schreibt Hofnagel über das Thema Generationswechsel in Unternehmen. Mit Blick auf die bevorstehende Aufgabe führt sie unter einem Pseudonym Mitarbeiterinterviews in der väterlichen Firma durch und erhält so einen tieferen Einblick.

Hintergrund

Werdegang

Im Jahr 2008 steigt Hofnagel in die Firma ein. Leicht macht es ihr die alte Geschäftsführung nicht: „In den ersten drei Monaten hatte ich kein Büro, nicht mal einen Schreibtisch. Und da habe ich dann mal nachgefragt: Wie sieht es aus mit einem Schreibtisch? Und da gucken die mich an und sagten: Moment mal, hier muss man erst etwas leisten, bevor man was fordert. Die haben es mir nicht leicht gemacht. Aber ich glaube, das war einfach diese alte Schule und sie wollten mich Herausfordern.“

Als sie ein halbes Jahr in der Firma ist, ziehen sich die beiden Seniorchefs zurück. Iris Hofnagel fühlt sich eigentlich noch nicht bereit, ihren Vater abzulösen – sieht aber auch keine Alternative: „Ja, was ist das denn für ein Zeichen nach außen, wenn jetzt die blonde studierte Iris ein halbes Jahr im Unternehmen ist, und ein externer Geschäftsführer eingesetzt wird?“

Im Jahr 2010 kommt die erste harte Bewährungsprobe. Bei einem Großbrand in der Firma ist sie diejenige, die sich mit Feuerwehr und Versicherung auseinandersetzen muss: „Da habe ich gelernt durch learning by doing A, Prioritäten zu setzen, und B, nicht alles persönlich an mich rankommen zu lassen. Ich musste einfach funktionieren und das habe ich auch in dem Moment.“ Auch im Umgang mit den Beschäftigten sammelt sie Erfahrungen und muss erkennen, dass sie teilweise von falschen Voraussetzungen ausgegangen ist: „Danach bin ich viel professioneller geworden. Ich habe versucht, mich in andere Menschen hineinzuversetzen und habe gelernt, die Menschen hier sind nicht deine Freunde, das sind deine Mitarbeiter. Dein Gegenüber meint das nicht persönlich. Von einem Mitarbeiter darfst Du nicht erwarten, dass er dein Freund ist.“

Wirkung

Anspruch an die eigene Führung

Gute Führung ist Respekt dem anderen gegenüber, sagt Iris Hofnagel. Menschlichkeit sei in einem Familienbetrieb besonders wichtig. Im Unternehmen ist sie die Ansprechpartnerin für die privaten Sorgen der Mitarbeitenden: „Die Mitarbeiter wissen genau, was sie wann zu wem reden. Die können uns mega einschätzen. Und ich glaube, ich habe eine gute Art, Menschen auch mental aufbauen zu können, ihnen Kraft zu geben und dann auch wirklich konstruktive Hilfe anzubieten.“

Für Hofnagel war die Firma immer Teil der Familie. Akzeptanzprobleme hat sie nicht. Als sie Geschäftsführerin wird, übernimmt sie in den Augen der Mitarbeitenden auch die Rollen ihrer Eltern: „Meine Mutti ist die Seelsorge hier in der Firma und mein Vater ist dieser faire, aber straighte Typ. Die Mitarbeitenden haben in mir beide Personen gesehen.“ Dennoch sieht sie bald die Notwendigkeit, ihren eigenen Führungsstil zu entwickeln. „Aber es gibt nicht den ein oder anderen Führungsstil. Es kommt immer darauf an, was ist da, wie ist man selbst, wie ist das Gegenüber? Ich musste lernen, die Sachen, die hier passieren in meiner Führungsrolle, nicht persönlich zu nahe an mich herankommen zu lassen. Das lernt man auch, aber das zu tun, ist eine absolute Herausforderung.“  

Ausblick

Unterstützung

Netzwerke haben für Iris Hofnagel eine große Bedeutung: „Das ist ein Tipp an alle Junioren und alle Führungskräfte auf dieser Welt: Rottet Euch zusammen und sprecht auf privater Ebene. Man muss sich Gleichgesinnten öffnen mit seinen Problemen. Die Kraft weiterzumachen habe ich immer aus diesen Kontakten und Treffen geschöpft. Es gibt einem so viel Kraft, dass es woanders auch so ist und aber auch, dass man anderen bei Problemen einen Tipp geben oder sagen kann: Hey, das habe ich soundso gelöst.“ Hofnagel schätzt es sehr, dass es in der Baustoffbranche zwei Juniorenkreise gibt.

Um Kraft zu tanken, trennt Hofnagel Berufliches und Privates: „Ich glaube, eine gesunde Distanz zu der Institution Firma ist sehr wichtig. Es ist eine Firma und letztendlich ist es ein Job.“

Stimmen aus dem Unternehmen

Hinweise für andere Frauen

Für Iris Hofnagel ist Führung eine Herausforderung: „Führung muss man lernen. Ich hatte immer Respekt vor dieser Aufgabe.“ Anderen Frauen rät sie: „Man sollte keine Angst vor Führung haben. Und man muss auf sich selbst vertrauen. Selbstvertrauen ist ganz wichtig.“

 

Stand: Oktober 2021

Firma
Hofnagel & Bade Baustoffe und Transporte GmbH
Branche
Handel
Produkte
Baustoffe und Entsorgung
Standort
Hagen
Gründungsjahr
1957
Beschäftigtenzahl
50-99
Frauenanteil
12%
Unternehmen

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Ansprechperson

Hofnagel & Bade Baustoffe
und Transporte GmbH
Iris Hofnagel
Werkzeugstraße 2
58093 Hagen
Telefon: 02331 35850
info@hofnagel-bade.de
www.hofnagel-bade.de