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Titel
Der Druck ist rausDie OTTO FUCHS KG in Meinerzhagen hat für ihre Beschäftigten ein Gleitzeitsystem mit Zeitkonto eingerichtet
Teaser

Mit einem außergewöhnlichen Gleitzeitsystem ermöglicht die OTTO FUCHS KG in Meinerzhagen es ihren Beschäftigten, ihre persönliche Arbeitszeit mit einem Maximum an Flexibilität zu gestalten. Das Unternehmen erwartet dafür von seinen Mitarbeitenden, dass sie bei ihrer Planung immer auch die Belange des Unternehmens mit im Blick haben. Die Rechnung Freiheit gegen Verantwortung hat sich für beide Seiten zu einer echten win-win-Situation entwickelt.

Praxisbeispiel

So wenig Reglementierung wie möglich

Seit 2017 existiert bei der OTTO FUCHS KG in Meinerzhagen die Betriebsvereinbarung „Gleitzeit“. Danach können die Beschäftigten innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen ihre persönliche Arbeitszeit selbst planen. Statt der früheren „normalen“ Arbeitszeit plus einer Stunde zum „Eingleiten“, gibt es nun einen Gleitzeitrahmen von 6 Uhr bis 20 Uhr. Die einzelnen Abteilungen legen innerhalb dieses Rahmens bestimmte „Servicezeiten“ fest, in denen eine bestimmte Anzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anwesend sein muss.

Zusätzlich verfügen die Beschäftigten über ein Zeitkonto, mit dem Arbeitszeiten ab- oder aufgebaut werden können, um einerseits flexibel planen zu können, andererseits aber auch die vertragliche Arbeitszeit zu erfüllen. Damit nicht zu viele Plus- oder Minusstunden anfallen, hat die OTTO FUCHS KG eine Art Ampelsystem eingeführt. Die Beschäftigten und die Führungskräfte sind angehalten, die Konten im grünen Bereich zu halten; bis zu 50 Plus- oder Minusstunden sind möglich. Bei mehr als 51 Plus- oder Minusstunden, aber weniger als 101, rutschen sie in den gelben Bereich. In diesem Fall müssen die Beschäftigten mit ihren Führungskräften besprechen, wie das Konto wieder ausgeglichen werden kann - Anwesenheits- bzw. Abwesenheitszeiten können unter Umständen angeordnet werden. In der Rotphase (101 bis 120 Plus- oder Minusstunden) bekommen die Personalleitung, der Betriebsrat und die jeweiligen Führungskräfte jeden Monat eine entsprechende Warnmeldung. Letztere müssen unverzüglich dafür sorgen, dass das Konto wieder aus dem roten Bereich kommt. Die Betriebsvereinbarung sieht allerdings vor, dass die Rotphase nur in Ausnahmefällen bei hohem Arbeitsaufkommen genutzt werden darf. 

Ausgenommen vom Gleitzeitsystem sind nur diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die festgelegte Schichtzeiten haben. Dies ist vor allem in der Produktion der Fall.

Gerade weil die Vereinbarung so komplex ist, seien vor ihrer Einführung viele eingehende Gespräche notwendig gewesen, sagt Corinna Vieser, Personalleiterin Automotive Division. „Zunächst mussten wir den Prozess überhaupt erst einmal in Gang bringen. Aber auch später verlief es stellenweise etwas holprig, z.B. bei der Absprache der Servicezeiten der einzelnen Abteilungen. Schließlich konnten wir aber auch das mit nur einer Ausnahme erfolgreich lösen. In der IT-Abteilung benötigen wir aufgrund unserer Vernetzung über vier Kontinente längere Servicezeiten als sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünschen. Das bedauern wir, können es aber leider nicht ändern“, so Vieser.

Damit das System funktioniert, setzt das Unternehmen auf die Einzelverantwortung seiner Beschäftigten. So wenig Reglementierung wie möglich, so viel wie nötig lautet daher das Motto der Unternehmensleitung. Damit es nicht zu Engpässen kommt und klar ist, wer wann verfügbar ist, sind die beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verpflichtet, einen Outlook-Kalender zu führen und klare Absprachen in ihren Abteilungen zu treffen. „Das klappt gut“, sagt Corinna Vieser überzeugt. „Wir haben die Betriebsvereinbarung 2017 ohne eine ‚Probezeit‘ eingeführt und mussten bisher nicht nachjustieren. Unsere Beschäftigten sind sich ihrer Freiheit, aber auch ihrer Verantwortung für das Gesamtunternehmen bewusst.“

Hintergrund

Die OTTO FUCHS KG in Meinerzhagen versteht sich als „Keimzelle und Kraftzentrum“ einer internationalen Unternehmensgruppe. Werke und Tochtergesellschaften z. B. in China und den USA machen es notwendig, sich trotz verschiedener Zeitzonen zu verständigen. Weil das aufgrund der herkömmlichen Arbeitszeit nicht problemlos möglich war, baten die Beschäftigten um eine neue Regelung.

Wirkung

Die Arbeitszufriedenheit bei Otto Fuchs ist seit Einführung der Gleitzeit gestiegen. Vieser: „Einerseits freut sich ja jeder, bei geringerem Arbeitsanfall auch einmal früher gehen zu können. Ebenso wichtig ist aber, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, dass wir ihnen vertrauen und ihnen die Verantwortung für das Gelingen des Systems übertragen haben. Das kommt sehr gut an.“

Die Gleitzeitregelung bei Otto Fuchs kommt insbesondere den Beschäftigten mit Kindern oder Pflegeverantwortung zugute. Der Stress habe abgenommen und Familie und Beruf seien leichter unter einen Hut zu bekommen, so die Beschäftigten: „Der Druck ist raus.“

 Stand: April 2020

Firma
OTTO FUCHS KG
Branche
Industrie
Produkte
Großschmiedeteile für die Raumfahrt, Geschmiedete Fahrwerkskomponenten, exklusive Schmiederäder (Fuchsfelge) und Strangpressprodukte
Standort
Meinerzhagen
Gründungsjahr
1910
Beschäftigtenzahl
>1000
Frauenanteil
11%
Unternehmen

Die OTTO FUCHS KG ist ein international tätiges Unternehmen der Metallbearbeitung mit globalen Geschäftsbeziehungen in den Branchen Luft- und Raumfahrt, Automobil + Transport, Bauindustrie sowie Industrietechnik. Auf eigener Werkstoffbasis werden hochwertige Halbzeuge gefertigt, insbesondere metallurgische anspruchsvolle Schmiedestücke, Stanzpresserzeugnisse und gewalzte Ringe aus Aluminium-, Magnesium-, Kupfer-, Titan- und Nickel-Legierungen.

Ansprechperson

OTTO FUCHS KG
Corinna Vieser (Personalleitung Automotive Division)
Derschlager Straße 26
58540 Meinerzhagen
Tel. 0 23 54 - 73-6062
corinna.vieser@otto-fuchs.com 
http://www.otto-fuchs.com

Zertifikat
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