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Titel
Professionell geschulte Ansprechpersonen für pflegende AngehörigeHattinger Wohnungsgenossenschaft nutzt kreisweites Angebot zur besseren Vereinbarkeit
Teaser

Beruf und Pflege miteinander zu vereinbaren, das versuchen insbesondere Frauen. Es kommt vor, dass sie selbst noch als Mütter gefragt sind, während sie bereits die Eltern pflegen – eine familiäre Doppelbelastung. Manche Frauen aus der so genannten „Sandwich-Generation“ reduzieren dann ihre Berufstätigkeit oder geben diese ganz auf, was entsprechende Folgen für Einkommen und Rente hat. Die Hattinger Wohnungsgenossenschaft hwg eG nutzt daher das Angebot der Kampagne „arbeiten – pflegen – leben“ im Ennepe-Ruhr-Kreis: Drei Mitarbeitende wurden als Pflegelotsen qualifiziert und sind im Bedarfsfall als Ansprechpersonen für die Belegschaft da –  angesichts der Alters- und Familienstruktur im Unternehmen eine Investition in die Zukunft.

Praxisbeispiel

Pflegelotsen und Pflegelotsin

Anders als die zunehmend thematisierte Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf ist das Thema Pflege in den Unternehmen noch keineswegs selbstverständlich. Oft bleiben pflegende Angehörige „in Deckung“, outen sich nicht aus Sorge, am Arbeitsplatz möglicherweise Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Die Kampagne „arbeiten – pflegen – leben“ im Ennepe-Ruhr-Kreis war eine der ersten Initiativen in NRW, die das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege aufgegriffen und Unternehmen wie Beschäftigte in der Region gezielt angesprochen hat. „Lösungen zu finden kann nicht allein Aufgabe der Unternehmen sein oder individuell den einzelnen Betroffenen überlassen werden. Mit der Kampagne wollten wir deutlich machen: Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist keine reine private Angelegenheit“ beschreibt Christa Beermann, Demografiebeauftragte des EN-Kreises, das Anliegen der Kampagne, die 2012 durch das Netzwerk W(iedereinstieg) initiiert wurde.

Eines der fast 30 Mitgliedsunternehmen der Kampagne ist die hwg eG. Etwa ein Drittel ihrer Mitarbeitenden wurden zwischen 2010 und 2015 Eltern und sind in einem Alter, in dem eine Pflegebedürftigkeit in der Familie entstehen kann. Daher war es dem Vorstand wichtig, den Mitarbeitenden die Scheu zu nehmen, eine mögliche Pflegesituation bei den verantwortlichen Vorgesetzten zu thematisieren.

Der Beitritt zur Kampagne bedeutet die Selbstverpflichtung, in Sachen „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ aktiv zu werden und betroffene Beschäftigte engagiert zu unterstützen. Eine betriebsinterne Ansprechperson fungiert dabei als „Lotsin“ oder „Lotse“, erhält umfangreiches Informationsmaterial, kooperiert mit den kommunalen Pflegeberatungsstellen und kann an freiwilligen Schulungen teilnehmen. Bei der hwg eG wurden gleich drei Ansprechpersonen geschult: Zwei Mitarbeiter aus Betriebsrat und Kundencenter sowie die Personalreferentin.

„Uns ist es wichtig, dass diese Aufgabe nicht auf den Schultern einer einzigen Person lastet“, erklärt Guido Zander, der bei der hwg eG für die Projektbetreuung verantwortlich ist. Das Selbstverständnis ihrer Aufgabe beschreibt Zander so: „Es ist immer jemand da, mit dem oder der man reden kann, wenn eine Pflegesituation eintritt. Es wird Hilfe vermittelt oder auch dabei unterstützt, individuelle Lösungen zu finden – etwa indem ein Arbeitszeitmodell ausgearbeitet wird, das dann der verantwortlichen Führungskraft vorgelegt werden kann.“

Hintergrund

Anstoß zur Teilnahme an der Kampagne waren ein Auszubildender in einer Pflegesituation und ein Mitarbeiter, der sich täglich um das Wohl der hwg-Mieter/-innen kümmert und selbst pflegebetroffen war. Zu diesem Zeitpunkt nahm Initiatorin Christa Beermann Kontakt mit dem Vorstand der hwg eG auf, um diesen zur Teilnahme an der Kampagne zu bewegen. Der Vorstand war von dieser Idee begeistert und wurde einer der Botschafter. Bei der Zertifizierung mit dem Prädikat Familienfreundliches Unternehmen 2015  hatte die hwg eG bereits Erfahrungen auf dem Gebiet und konnte andere teilnehmende Unternehmen mit Beispielen unterstützen.

Wirkung

Das Thema wird von den Beschäftigten sehr gut angenommen – die aktuelle Mitarbeitenden-Befragung ergab eine Zustimmung von 100 Prozent bezüglich der Wichtigkeit des Themas Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Derzeit wird darüber diskutiert, wie im Falle einer längeren Pflegesituation der Arbeitsausfall durch verbleibende Mitarbeitende abgefangen werden kann.

Ausblick

Den Mitarbeitenden sollen die entsprechenden Informationen jederzeit abrufbar zur Verfügung stehen. So wird die digitale Servicemappe der Kampagne „arbeiten – pflegen – leben“ ins Intranet gestellt und so über die Kampagne informiert. Außerdem wird in Betriebsversammlungen regelmäßig auf das Angebot hingewiesen, um auch neue Mitarbeitende über die Kampagne zu informieren. Zum Ausdruck kommen soll auch, dass für die Pflegesituationen individuelle Lösungen gefunden werden.

Stand: Juli 2017

Firma
hwg eG
Branche
Dienstleistung
Produkte
Wohnungsgenossenschaft
Standort
Hattingen
Gründungsjahr
1899
Beschäftigtenzahl
26-49
Frauenanteil
48%
Unternehmen

Die Hattinger Wohnungsbau-genossenschaft hwg eG ist eine der größten Anbieterinnen von Wohnungen im Ennepe-Ruhr-Kreis. Das Unternehmen existiert seit 1899 und bewirtschaftet derzeit rund 4.100 eigene Wohnungen für ca. 5.500 Mitglieder. Neben der Vermietung von Wohnungen, Gewerberäumen und Garagen bietet die hwg eG über zwei Tochtergesellschaften weitere Serviceleistungen rund ums Wohnen an.

Ansprechperson

hwg eG
Guido Zander, Projektbetreuung
Im Bruchfeld 17
45525 Hattingen
Tel. 0 23 24 / 50 09 0
info@hwg.de
www.hwg.de

Kooperation mit

Netzwerk W
Ansprechperson: Christa Beermann
Demografiebeauftragte für den Ennepe-Ruhr-Kreis
Hauptstraße 92
58332 Schwelm
0 23 36 / 93 22 23
C.Beermann@en-kreis.de
www.arbeiten-pflegen-leben.de

Zertifikat
PFFU Zertifikat